Alfred Maydorns tägliche Analyse – klar, konkret, kontrovers

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Hey Daimler, langsam wird´s peinlich

Dienstag, 12.06.2018

Alfred Maydorn, Chefredakteur

 

Liebe Leser,

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht … und wenn er auch die Wahrheit spricht“ sagt der deutsche Volksmund. Und was, wenn man über einen Zeitraum von drei Jahren praktisch ohne Unterlass lügt? Seit dem Bekanntwerden des VW-Betruges im Herbst 2015 hat Daimler-Chef Dieter Zetsche immer wieder betont, keine verbotenen Abschalteinrichtungen zur Steuerung von Dieselmotoren eingesetzt zu haben. Eigentlich hätte seine Nase dabei jedes Mal ein paar Zentimeter länger werden müssen. Denn natürlich hat auch Daimler die Schummelsoftware eingesetzt, wie spätestens seit gestern Nachmittag bekannt ist.

 

Daimler-Chef Dieter Zetsche kurz vor dem gestrigen Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.

 

Trotz statt Demut

Daimler muss nun europaweit 774.000 Autos zurückrufen und „die vom Bund beanstandeten Applikationen in der Motorsteuerung“ beseitigen, wie es nach dem Treffen von Zetsche und Bundesverkehrsminister Scheuer in perfektem Amtsdeutsch heißt. Dass Daimler um die Zahlung eines Ordnungsgeldes von 5.000 Euro pro Fahrzeug herumkommt, ist fast schon eine Frechheit angesichts der Tatsache, dass man die Schummelei über Jahre hin abgestritten hat. Nicht viel weniger dreist ist die Ankündigung Zetsches, zwar jetzt mit dem Kraftfahrt-Bundesamt kooperieren zu wollen (besser gesagt zu müssen), aber dennoch Widerspruch gegen den Rückruf einlegen und vielleicht sogar klagen will. Statt sich endlich einmal etwas demütig und einsichtig zu zeigen, erinnert diese Reaktion eher an die eines trotzigen Kindes, dem man sein Spielzeug weggenommen hat.

 

Dabei sollte Daimler bewusst sein, dass es sich längst nicht mehr um ein Spiel handelt, sondern dass – im Gegenteil – sehr viel auf dem Spiel steht. Es geht jetzt darum, nicht noch mehr Vertrauen bei seinen Kunden zu verlieren und sein ohnehin schon angekratztes Image zu wahren. Und das schafft man nicht mit einer „Salamitaktik“, weiteren Lügen oder gar Klagen. Jetzt ist die Zeit für eine „schonungslose und vollumfängliche Aufklärung“.

 

E-Auto-Offensive stockt

Offenbar leidet nicht nur das Vertrauen und das Image Daimlers unter der häppchenweisen Aufdeckung des Dieselskandals mit Stern, sondern auch das operative Geschäft, genauer gesagt die Planungen für das zukünftige Geschäft. Das Handelsblatt will aus Konzernkreisen erfahren haben, dass Daimler seinen Elektro-Geländewagen „EQC“ nicht wie geplant Anfang nächsten Jahres auf den Markt bringen wird, sondern erst im Juni 2019. Der Grund für die Verzögerung sollen neben „technischen Problemen“ vor allem „Engpässe bei Batterien“ sein. Offenbar haben die Tarn- und Täuschungs-Strategien bei der Diesel-Schummelei so viele Ressourcen in Anspruch genommen, dass Daimler doch glatt vergessen hat, sich rechtzeitig um die Batterien für seine groß angekündigte Elektroauto-Offensive zu kümmern.

 

Batterie-Knappheit: Verlierer und Gewinner

Blöd nur, dass der Markt für Elektroauto-Batterien komplett leergefegt ist. Fast alle Anbieter von Elektroautos haben mittlerweile mit der Batterie-Knappheit zu kämpfen, die bestehenden Kapazitäten der asiatischen Zulieferer reichen einfach nicht aus. Schlecht für die Auto-Hersteller, gut für die Batterieproduzenten. Einen davon habe ich übrigens gerade neu in das E-Mobility-Depot des maydornreport aufgenommen. Wenn Sie kein maydornreport-Leser sind, wissen Sie was zu tun ist: Einfach 79 Euro für eine 3-Monatsabo investieren und sie bekommen eine E-Mail mit allen nötigen Infos.

 

Angeschlagene Aktie

Aber zurück zu Daimler, oder genauer gesagt zur Aktie von Daimler. Die hält sich angesichts des sich ausweitenden Skandals eigentlich (noch) recht gut. Dennoch sind 62 Euro natürlich nicht das, was sich die Daimler-Anteilseigner so vorstellen. Mit einem Minus von 13 Prozent seit Jahresbeginn ist Daimler der fünftschlechteste DAX-Wert. Und es spricht wenig dafür, dass sich an der Platzierung in diesem Jahr noch viel ändert, zumindest nicht nach oben.  

 

Viele Grüße und viel Erfolg,

Ihr Alfred Maydorn

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